{"id":291,"date":"2021-07-06T13:34:09","date_gmt":"2021-07-06T11:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/xn--wrterbummel-rfb.de\/?p=291"},"modified":"2021-07-06T13:34:11","modified_gmt":"2021-07-06T11:34:11","slug":"die-hauptsache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--wrterbummel-rfb.de\/?p=291","title":{"rendered":"Die Hauptsache"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><em>Hilary Leichter<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Sieht so die moderne Arbeitswelt aus?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die namenlose Ich-Erz\u00e4hlerin arbeitet als Aushilfe &#8211; wie schon ihre Mutter und ihre Gro\u00dfmutter. Ihr gro\u00dfes Ziel ist die Entfristung. Nicht mehr auf die Auftr\u00e4ge einer New Yorker Zeitarbeitsfirma angewiesen zu sein. Nicht mehr nur jemanden zu vertreten, zeitweise zu ersetzen oder sogar so tief in dessen Rolle zu schl\u00fcpfen, dass man nicht mehr wei\u00df, wer eigentlich das \u201eOriginal\u201c ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hilary Leichter treibt die Arbeitswelt ihrer Protagonistin auf die Spitze. Sie bekommt einen absurden Arbeitsauftrag nach dem anderen. Sie \u00f6ffnet und schlie\u00dft T\u00fcren in einem v\u00f6llig leeren Haus und zwar alle 40 Minuten. Sie sortiert Schuhe hin und her. Sie wird als Schaufensterpuppe pr\u00e4sentiert. Sie heuert auf einem Piratenschiff an. Sie arbeitet als Assistentin eines M\u00f6rders. Sie soll in einem Zeppelin eine Reihe von Kn\u00f6pfen dr\u00fccken um Bomben abzuwerfen. Sie wird von einem 7-j\u00e4hrigen Jungen engagiert, der eine Mutter braucht. Sie verteilt Flugbl\u00e4tter und sammelt sie wieder ein. Oft ger\u00e4t sie in moralische Konflikte, die sie den Job kosten, so dass sie wieder von vorne anf\u00e4ngt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei jedem Job hofft die Erz\u00e4hlerin, dass sie endlich die ersehnte Entfristung bekommt. Sie strebt nach Perfektion und vergisst dar\u00fcber hinaus ihr Privatleben. F\u00fcr jede Lebenslage hat sie einen festen Freund. Ganze achtzehn an der Zahl, die sich schlie\u00dflich in ihrer Wohnung treffen und sich bestens untereinander verstehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Hauptsache\u201c zeigt ein Bild von einer Arbeitswelt, in der jeder ersetzbar und austauschbar ist. In der Jobs ausgef\u00fchrt werden, ohne nach dem Sinn zu fragen oder eigene Ideen einzubringen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized is-style-rounded\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/xn--wrterbummel-rfb.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/21-Leichter-Hilary-Die-Hauptsache-1024x704.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-293\" width=\"655\" height=\"450\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus meiner Sicht als Chefin kann ich die Gedanken der Autorin nicht ganz nachvollziehen. Meiner Erfahrung nach scheuen Mitarbeiter sich eher davor Verantwortung zu \u00fcbernehmen oder sich langfristig an ein Unternehmen zu binden. Vielleicht, weil irgendjemand mal gesagt hat, man m\u00fcsste m\u00f6glichst viele verschiedene Firmen und deren Arbeitsweise kennenlernen. Oder weil es viel schwieriger ist, ein gewisses Level zu halten. So wie im Sport: man hat mal eine super Saison und erringt den Meistertitel. Aber dieses Ergebnis wieder und wieder zu schaffen, erreichen nur die wenigsten. Aber gerade dann zeigt sich doch eigentlich erst, wie gut man tats\u00e4chlich ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Klappentext beschreibt das Buch als \u201eirrwitzigen Ritt\u201c und das ist es tats\u00e4chlich. Man muss sich auch drauf einlassen, dass es in kompletter \u00dcberzeugung nur eine Sichtweise darstellt. Die Erz\u00e4hlerin scheint nicht wirklich einen bestimmten Job haben zu wollen. Er sollte einfach nur unbefristet sein. Die M\u00f6glichkeiten sind heutzutage auch so vielf\u00e4ltig, dass es tats\u00e4chlich nicht so leicht ist, f\u00fcr sich das Richtige zu finden. Und bestimmt muss man sich auch nicht bis an sein Lebensende daran binden. Ich w\u00fcrde der Ich-Erz\u00e4hlerin dennoch raten, sich zu \u00fcberlegen, worin sie einen erf\u00fcllenden Job sehen w\u00fcrde und sich dann in dieses Abenteuer zu st\u00fcrzen. Was w\u00fcrdest du ihr raten um ihr Ziel zu erreichen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hilary Leichter Sieht so die moderne Arbeitswelt aus?&nbsp; Die namenlose Ich-Erz\u00e4hlerin arbeitet als Aushilfe &#8211; wie schon ihre Mutter und ihre Gro\u00dfmutter. Ihr gro\u00dfes Ziel ist die Entfristung. Nicht mehr auf die Auftr\u00e4ge einer New Yorker Zeitarbeitsfirma angewiesen zu sein. Nicht mehr nur jemanden zu vertreten, zeitweise zu ersetzen oder sogar so tief in dessen Rolle zu schl\u00fcpfen, dass man nicht mehr wei\u00df, wer eigentlich das \u201eOriginal\u201c ist.&nbsp; Hilary Leichter treibt die Arbeitswelt ihrer Protagonistin auf die Spitze. Sie bekommt einen absurden Arbeitsauftrag nach dem anderen. Sie \u00f6ffnet und schlie\u00dft T\u00fcren in einem v\u00f6llig leeren Haus und zwar alle 40 Minuten. Sie sortiert Schuhe hin und her. Sie wird als Schaufensterpuppe pr\u00e4sentiert. Sie heuert auf einem Piratenschiff an. Sie arbeitet als Assistentin eines M\u00f6rders. Sie soll in einem Zeppelin eine Reihe von Kn\u00f6pfen dr\u00fccken um Bomben abzuwerfen. Sie wird von einem 7-j\u00e4hrigen Jungen engagiert, der eine Mutter braucht. Sie verteilt Flugbl\u00e4tter und sammelt sie wieder ein. Oft ger\u00e4t sie in moralische Konflikte, die sie den Job kosten, so dass sie wieder von vorne anf\u00e4ngt.&nbsp; Bei jedem Job hofft die Erz\u00e4hlerin, dass sie endlich die ersehnte Entfristung bekommt. Sie strebt nach Perfektion und vergisst dar\u00fcber hinaus ihr Privatleben. F\u00fcr jede Lebenslage hat sie einen festen Freund. Ganze achtzehn an der Zahl, die sich schlie\u00dflich in ihrer Wohnung treffen und sich bestens untereinander verstehen.&nbsp; \u201eDie Hauptsache\u201c zeigt ein Bild von einer Arbeitswelt, in der jeder ersetzbar und austauschbar ist. 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